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Tore? Standard(s)!

Was Treffer nach ruhenden Bällen angeht, macht den Berlinern niemand etwas vor. Warum, weiß Co-Trainer Admir Hamzagic.

Berlin - Es gibt einen Wert, da übertrumpft Hertha BSC alle. Nicht Borussia Dortmund, nicht Schalke 04 und nicht einmal Bayern München können da mit dem Hauptstadtclub mithalten. Es geht um Standardsituationen. Nach 'ruhenden Bällen', wie im Fußballjargon Eck- und Freistöße, aber auch Elfmeter heißen, trafen die Blau-Weißen in der Bundesliga-Hinrunde 14 Mal. Diese Zahl ist nicht nur Liga-Bestwert, mit dieser Zahl hat die Mannschaft von Pál Dárdai schon fast die eigene Ausbeute aus der Vorsaison (15) erreicht. "Wir wissen, dass Standardsituationen eine Waffe sind, enge Spiele entscheiden und uns wichtige Punkte bescheren können", sagt Admir Hamzagic, Co-Trainer im Team um Dárdai und Rainer Widmayer.

Hamzagic, der vor knapp drei Jahren an der Seite von Dárdai aus der Jugend zu den Profis aufstieg, ist bei den Herthanern verantwortlich für eben diese Standards. Konkret heißt das: Der 32-Jährige tüftelt immer wieder an neuen Varianten, neuen Ideen und studiert diese mit den Profis auf dem Schenckendorffplatz ein. "Dabei geht es vor allem um das Einlaufverhalten, die Abstimmung und die Stellen, wo der Ball hinsoll", so Hamzagic, der 2013 in die Nachwuchsabteilung der Berliner kam. An diese richtigen Stellen haben die Berliner den Ball in den vergangenen 17 Bundesliga-Partien so einige Male befördert. Sechs Tore fielen nach Eckbällen (Ligabestwert), fünf nach Freistößen (ebenfalls Ligabestwert), dazu kommen zwei Elfmeter und ein Tor unmittelbar nach einem Einwurf.

So stark wie lange nicht

In den vergangenen 20 Jahren waren die Blau-Weißen in keiner Halbserie so stark nach Standards. "Natürlich freut mich so eine Bilanz", so Dárdais Assistent. Hinzu kommt, dass die Herthaner nach ruhenden Bällen unheimlich schwer auszurechnen sind: In die interne Torschützenliste trugen sich bereits Davie Selke, Mathew Leckie, Jordan Torunarigha, Vedad Ibisevic, Salomon Kalou, Karim Rekik und Niklas Stark ein. "Wir haben mit Karim und Mathew zwei kopfballstarke Mitspieler hinzubekommen. Wenn der Gegner einen Spieler zustellt, bekommt ein anderer mehr Raum, das zeichnet uns aus", so Hamzagic.

GESAGT...

"Hauptsache wir treffen - und gewinnen."

Admir Hamzagic

Dabei hatten die Blau-Weißen in der Hinrunde gar nicht so viel Zeit, immer wieder neue Varianten einzustudieren. "Durch die Mehrfachbelastung war es nicht ganz einfach, solche Situationen zu trainieren. In der Rückrunde wird das sicher wieder besser klappen", weiß Hamzagic. Dann hat der 32-Jährige noch mehr Zeit, sich seiner Passion zu widmen. "Ich schaue mir sehr viele Videos mit Standards an, sowohl von nationalen als auch internationalen Mannschaften. Unsere Datenbanken füttern uns in der Hinsicht mit vielen interessanten Daten", beschreibt der Coach sein Vorgehen.

Die Hauptsache: Tore schießen

Das Interesse für solche Spielsituationen hatte Hamzagic schon als Aktiver, als er noch im Berliner Umland in der Landesliga kickte. "Ich war damals immer der Mann für den ruhenden Ball. Ich bin oft länger nach dem Training auf dem Platz geblieben und habe noch geübt. Aber Jungs wie Marvin Plattenhardt muss ich in puncto Schusstechnik natürlich nichts mehr vormachen", gibt er mit einem Schmunzeln ganz ehrlich zu. Ebenso ehrlich antwortet er übrigens auch auf die Frage, ob ihm Tore aus dem Spiel oder nach dem ruhenden Ball lieber sind. "Das ist mir ganz egal. Hauptsache wir treffen -  und gewinnen."

(fw/City-Press)

Profis, 12.01.2018
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