Bild: citypress

"Ey, wir sind Hertha"

Geburtstagskind Andreas 'Zecke' Neuendorf spricht über die Chancen der Herthaner am Samstag (10.02.18) in Leverkusen und erinnert sich an die Zeiten bei seinem Ex-Club.

Berlin - Berliner, blau-weißes Urgestein, Geburtstagskind. Andreas 'Zecke' Neuendorf feiert - oder feiert strenggenommen auch nicht - am Freitag (09.02.18) seinen Ehrentag. Welchen - darüber lässt sich streiten. Experte ist der U17-Trainer nicht nur was biologisches Alter betrifft, sondern auch wenn es um den kommenden Gegner der Blau-Weißen geht. 'Zecke' spielte vier Jahre lang für Bayer Leverkusen. Im Interview mit herthabsc.de spricht er über die Chancen der Herthaner am Samstag (10.02.18) in Leverkusen, seine Phase als Freistoßgott und Geburtstagspläne.

herthabsc.de: 'Zecke', alles Gute zu deinem 43. Geburtstag!
Zecke:
Danke! Seit der Aufzeichnung meines Lebens sind es jetzt 43 Jahre. Aber vom biologischen Alter her, werde ich 28.

herthabsc.de: Ok, wie verbringst du deinen 28. Geburtstag so?
Zecke:
Ich selber feiere meinen Geburtstag nicht, das mag ich nicht. Ich kann nicht erklären, warum. Meine Mama freut sich natürlich, dass ich geboren bin – und ich freue mich auch darüber. Aber es ist für mich kein Feiertag, an dem ich etwas Besonderes machen muss. Ich fühle mich eher unter Druck gesetzt, weil Leute mir gratulieren und ich nicht mal weiß, wann sie Geburtstag haben. Dann stelle ich fest, dass ich ihnen noch nie gratuliert habe - weil ich halt Geburtstage nicht so besonders finde (schmunzelt).

herthabsc.de: Besonders dürfte aber das anstehende Hertha-Spiel bei Bayer Leverkusen für dich sein, wo du insgesamt vier Jahre lang gespielt hast. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?
Zecke:
Es war nett in Leverkusen, ich habe in meiner Zeit da eine Entwicklungsphase gehabt, bin als Mensch gereift. Bayer war mein erster Verein, der Club, bei dem ich Profi geworden bin. Ich durfte mit Spielern wie Bernd Schuster und Rudi Völler zusammenspielen – auch mit vielen großen Brasilianern wie Zé Roberto, Émerson und und und... Bayer war ein großer Verein, der jedes Jahr oben mitgespielt hat – als ich dann ging, war die Zeit auch vorbei, in der es um Titel ging. Dann ist es ein normaler Verein geworden (lacht).

herthabsc.de: Ein Tor hast du zu den guten Zeiten der 'Werkself' beigetragen...
Zecke: Einen Treffer habe ich da geschossen? Ja, ich kann mich erinnern! Das war ein direkter Freistoß gegen Bremen mit Oliver Reck im Tor. Den habe ich in den Winkel gehauen. Alle haben mit einer Flanke gerechnet - auch Oliver Reck. Ich glaube, dieses Tor hat mir nicht gutgetan. Danach habe ich nämlich gedacht, dass ich Freistoßgott bin und jeden Ball, egal, wo er lag, aufs Tor geschossen - aber es ist nie wieder einer reingegangen.

GESAGT...

"Für uns zählt nur dieses Spiel. Deswegen werden wir gewinnen."

Andreas 'Zecke' Neuendorf

herthabsc.de: Und die haben dich trotzdem schießen lassen?
Zecke: Mussten sie. In der Mitte haben sich Ulf Kirsten und Rudi Völler immer so aufgeregt, dass sie mir fast hinterhergeflitzt sind. Wirklich. Wir haben einen Freistoß bekommen, ich habe mir den Ball hingelegt und sie meinten schon zu mir: "Hey Zecke, bring den Ball jetzt aber rein!" Ich so: "Klar, klar." Dann bin ich angelaufen, habe den Ball in die Wolken geschossen, kurz überlegt und gemerkt, dass der nicht so gut war... Beim nächsten Freistoß habe ich es dann wieder versucht (lacht).

herthabsc.de: Lass uns nochmal konkreter auf die beiden Bundesligisten zu sprechen kommen, für die du als Aktiver aufgelaufen bist. Was unterscheidet Bayer 04 Leverkusen von Hertha BSC?
Zecke: Berlin ist meine Stadt, hier bin ich groß geworden. Hertha ist mein Verein. Bayer Leverkusen war ein Arbeitgeber. Das ist nicht miteinander zu vergleichen. Ich kann nicht sagen, dass es eine reine Herzensangelegenheit ist, ich bekomme hier ja auch etwas. Jetzt, wo Hertha sich Berlin gegenüber noch mehr öffnet und sagt: "Ey, wir sind Hertha, wie können wir auf Berlin zu gehen?", mag ich den Club noch mehr.

herthabsc.de: Momentan spielt die 'Werkself' wieder oben mit – wie zu deinen Zeiten. Wie schätzt du die Elf von Heiko Herrlich ein?
Zecke: Bayer steht zu recht da oben in der Tabelle. Die Leverkusener sind aktuell eine absolute Topmannschaft. Sie setzen auf jüngere Spieler. Ähnlich wie wir sind sie dabei, dem Team ein neues Gesicht zu geben. Wir haben auch viele junge Spieler, die Einsatzzeiten bekommen. Man kann sich bei dem Club schon das eine oder andere abschauen.

herthabsc.de: Wie geht die Partie aus?
Zecke: Wir gewinnen 2:1. Warum? Weil wir in Leverkusen immer gute Spiele gemacht haben. Weil Bayer nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale euphorisch ist und in der Liga sowieso gut dasteht. Aber: Die Leverkusener können nicht mehr Erster werden. Sie können nur verlieren. Wir können etwas gewinnen: Punkte, die uns von weiter unten wieder weiter nach oben bringen. Für uns zählt nur dieses Spiel. Deswegen werden wir die Partie mit einem ganz anderen Fokus angehen. Und deswegen werden wir gewinnen.

(lb/City-Press)

Profis, 09.02.2018
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