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"Da weitermachen, wo wir aufgehört haben"

Vedad Ibisevic spricht über Hin- und Rückrunde, sein Kapitänsamt und das Duell beim VfB Stuttgart am Samstag (13.01.18).

Berlin - Eine bewegte Hinrunde liegt hinter den Herthanern. Eine bewegte Hinrunde liegt auch hinter Vedad Ibisevic. Torflaute, sein Rücktritt aus der bosnischen Nationalmannschaft, dann Treffer in drei aufeinanderfolgenden Partien. Eine bewegte Rückrunde stehen dem Kapitän und seiner Mannschaft nun bevor. Am Samstag (13.01.18) um 15:30 Uhr startet die zweite Saisonhälfte mit der für Ibisevic nicht ganz emotionslosen Partie beim VfB Stuttgart. Vor dem Wiedersehen im Schwabenland hat herthabsc.de mit dem 33-Jährigen gesprochen. Über das Duell mit seinem Ex-Verein, die Ziele für die Rückrunde, sein Kapitänsamt und Davie Selke.

herthabsc.de: Vedad, nach knapp einem Monat geht's mit der Bundesliga wieder los. War die Winterpause lang genug?
Ibisevic: Ich fand es gut, dass die Pause nicht so lang war. Wir haben in der trainingsfreien Zeit ja gearbeitet. Auch unsere Vorbereitungszeit ist kürzer. Das ist mir persönlich lieber, weil wir nicht so viel an Fitness verloren haben und nicht so lange brauchen, um wieder fit zu werden. Dass wir nirgendwo hinfliegen, ist auch okay. Hier ist das Wetter gut, wir verlieren durchs Fliegen keine Zeit zum Trainieren – was gerade bei so einer kurzen Pause Sinn macht.

herthabsc.de: Mit ein bisschen Abstand: Mit welchen Gefühlen blickst du auf die Hinrunde zurück?
Ibisevic:
Die Saison war anfangs schwer – das war auch so zu erwarten. Wir haben schon im Sommer während der Vorbereitung immer gesagt, dass wir aufpassen müssen. Die Zusatzbelastung mit der Europa League war eine neue Erfahrung. In den internationalen Spielen hat uns oft nur ein kleines bisschen gefehlt, um zu gewinnen. Dass wir nicht weitergekommen sind, lag in erster Linie an fehlender Erfahrung – die wir jetzt gesammelt haben. Auch wenn die Gegner Östersund und Luhansk hießen, war es trotzdem die Europa League und da geht es heiß her. Ich finde es natürlich schade, dass wir nicht mehr dabei sind. Wenn ich an das Spiel in Bilbao denke – das hat schon richtig Spaß gemacht.

herthabsc.de: In der Liga geht es von Platz 10 aus in die zweite Saisonhäfte. Wie bewertest du die ersten 17 Spieltage?
Ibisevic: Der Europapokal war das Eine, das Andere die Bundesliga. Auch da war der Alltag am Anfang nicht gerade leicht. Wir mussten die neuen Spieler erst mal kennenlernen und uns zusammen an die Rotation gewöhnen. Zum Ende der – wie ich finde ordentlichen Hinrunde – hat es dann richtig gut geklappt. Die vergangenen zwei, drei Spiele in der Rückrunde waren sehr gut. Gerade das Spiel in Leipzig hat uns gezeigt, wie wir auftreten können – und sollten. Mit viel Leidenschaft und Kampf – das soll unsere Basis für die Rückrunde sein. Jetzt müssen wir genau da weitermachen, wo wir aufgehört haben.

herthabsc.de: Auch für dich persönlich war es ein ereignisreiches Halbjahr. Wie blickst du auf deine erste Saisonhälfte zurück?
Ibisevic:
Für mich sind im vergangenen Jahr auch viele neue Erfahrungen dabei gewesen. Ich war noch nie 33 Jahre alt (lacht). Am Anfang habe ich mich schwer getan, das Tor zu treffen. Ich bin derjenige, der sich am meisten selbst hinterfragt und kritisiert. Das mache ich immer wieder, aber nicht öffentlich. Ich will immer besser werden, aber es geht in erster Linie um die Mannschaft. Eines habe ich gelernt: Letztendlich sind alle zufrieden, wenn das Team erfolgreich ist. Mal hat der eine einen guten Tag, mal der andere. Das gehört dazu. Wenn wir das gleiche Ziel haben, können wir mehr erreichen, als wenn jeder seine eigenen in den Vordergrund stellt. So lebe ich das vor. Ich bin zufrieden mit meiner Hinrunde, natürlich kann es besser werden – aber nur zusammen.

GESAGT...

"Das gehört dazu: sich gegenseitig unterstützen und Tipps zu geben. Für mich ist die Situation einfach. "

Vedad Ibisevic

herthabsc.de: Du gehst jetzt in deine vierte Saisonhälfte als Kapitän. Hast du dich in deiner Zeit in diesem Amt verändert?
Ibisevic:
Ich glaube nicht. Ich will nicht sagen, dass ich zur rechten Zeit Kapitän geworden bin – das war nicht meine Entscheidung, sondern die des Trainers. Ich habe es nie als Ziel gehabt, Kapitän zu werden. Ich war im richtigen Alter, in einem, indem man sowieso Verantwortung übernimmt. Ich bin der älteste Spieler im Kader; ob ich die Binde trage oder nicht, ich helfe und gebe meine Erfahrungen an junge Spieler weiter. Mein ganzes Leben habe ich versucht, ein Teamplayer zu sein, auch wenn ich Stürmer bin und auch ein bisschen egoistisch sein muss, um Tore zu schießen. Als junger Spieler war ich natürlich nicht immer das beste Beispiel, ich habe mich immer an älteren Leuten orientiert. Man kann immer etwas von den Älteren lernen, denn sie wissen ungefähr, was die Jüngeren erwartet. Ich habe selbst nicht immer zugehört, aber wenn ich aufgepasst habe, hat das geholfen (lacht).

herthabsc.de: Einer der jüngeren Spieler ist Davie Selke, der im Laufe der Hinrunde fit geworden ist und mit dem Pál Dárdai auch für die Rückrunde neben dir eine weitere Option im Sturm hat. Wie ist diese Situation für dich?
Ibisevic:
Die Situation ist super. Davie hat das gut gemacht, er ist immer besser in Form gekommen. Er hat angefangen zu bestätigen, was über ihn gesagt wird, nämlich dass er ein Toptalent in Deutschland ist. Das ist gut für ihn und gut für uns, so muss er weitermachen. Ich will ihm weiter Unterstützung geben, wenn wir zusammenspielen oder auch wenn der eine oder andere spielt. Das gehört dazu: sich gegenseitig zu unterstützen und Tipps zu geben. Für mich ist die Situation einfach. Ich bin etwas älter und kann mit jedem Zustand klarkommen, so und so. Auch Julian Schieber ist wieder da. Für ihn ist es wichtig, dass er fit ist und wieder richtig gesund. So eine lange Verletzung ist nicht so einfach wegzustecken. Jeder Spieler bringt Qualität mit sich, so ist das auch bei den Stürmern. Den Rest muss der Trainer entscheiden. Er kann von mir aus auch noch zwei Stürmer holen. Konkurrenzkampf ist immer da, das ist alles wunderbar.

herthabsc.de: Jetzt zählt es wieder. Wie groß ist deine Vorfreude auf den Rückrundenauftakt?
Ibisevic:
Ich liebe Fußball. Natürlich kühlt das nach fünf, sechs Monaten am Stück immer etwas ab, weil man sich täglich mit nichts anderem beschäftigt. Wenn man dann ein bisschen Pause macht, sieht man schnell wieder, wie schön Fußball ist und wie glücklich man sein sollte, dass man Teil dieses Geschäfts ist. Dieses Gefühl habe ich jetzt wieder. Fußball macht Bock, die Bundesliga ist geil, deswegen freue ich mich sehr, dass es wieder losgeht.

herthabsc.de: Am Samstag (13.01.18) geht es nach Stuttgart, wo du drei Jahre selbst gespielt hast. Welche Erwartungen hast du an die Partie?
Ibisevic:
Uns erwartet auf jeden Fall ein schweres Spiel. Direkt nach der Pause weiß man noch nicht genau, wer wo steht. Das ist erstmal Abtasten. Wie immer werden Kleinigkeiten und taktische Disziplin entscheiden. Die Stuttgarter haben super Spiele, aber auch komische Partien gemacht. Mit Mario Gomez haben sie sich verstärkt, einen guten und erfahrenen Stürmer bekommen, der mit seiner Präsenz den Club nach vorne bringen wird. Dennoch ist es unser Ziel, dort etwas zu holen.

(lb/City-Press)

Profis, 01.03.2018
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