Bild: HPSlider

In Spandau kannst du alles sein. Auch Herthaner.

Topspiel unter Flutlicht: Zum Bezirks-Spieltag Spandau empfängt Hertha BSC Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund (16.03.19, 18:30 Uhr). Wir stellen Herthaner aus diesem Bezirk vor.

Berlin - Jeder Fan hat diesen Moment gehabt. Diesen Moment, in dem es um einen geschehen war. Diesen Moment, wenn der Fußball einen in seinen Bann gezogen hat. Oft sind es verschwommene und hochstilisierte Kindheitserinnerungen, aber es sind Erinnerungen, die auch nach Jahren und Jahrzehnten klar vor dem inneren Auge auftauchen. Es sind Erinnerungen, die schlicht und ergreifend nichts weniger sind als der Ursprung einer Geschichte. Einer Verbindung, die oft ein Leben lang hält.

Objektiv und rational ist dieser Vorgang nicht zu erklären: Das erste Spiel im atmosphärischen Stadion an der Seite eines Familienmitglieds, ein Spieler, der durch eine Aktion zum persönlichen Helden wird, herausragende Siege, aber auch bittere Niederlagen - alles Szenarien, die Klein und Groß, Jung und Alt zum Fan gemacht haben. Alles Stoff, der gleiches auch in der Gegenwart noch bewirkt. Fußballromantik par exellence – und ein Phänomen, das natürlich auch bei Hertha BSC und seinen Anhängern vorkommt.

Hertha-Fans André und Justin.

Bei André Roll waren es gleich zwei bittere Momente in der Vereinsgeschichte, die in ihm etwas ausgelöst haben und ihn endgültig zum Blau-Weißen gemacht haben. "Ich war dabei, als wir 1980 trotz des Siegs gegen Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen sind. Schon ein Jahr davor bin ich tief enttäuscht nach Hause gegangen, als unser 2:1 im Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup gegen Belgrad nicht gereicht hat", berichtet der heute 51-Jährige. Einige Jahre zuvor nahm ihn sein Vater das erste Mal mit ins Olympiastadion. "Das war in der Rückrunde in der Saison 1975/76. Wir haben mit 2:1 gegen Mönchengladbach gewonnen, aber ich erinnere mich nur noch, dass es sehr voll im Stadion war", berichtet der Software-Entwickler schmunzelnd. Er hat sich nicht geirrt: Offiziell waren 91.000 Zuschauer live auf den Tribünen.

Inzwischen hat der gebürtige Berliner laut eigenen Aussagen rund 600 Pflichtspiele des Hauptstadtclubs live verfolgt. "Ich habe seit dem Aufstieg 1997 eine Dauerkarte für die Ostkurve. Pro Saison verpasse ich maximal zwei Heimspiele", sagt Roll. Aber auch in den sportlich nicht erfolgreichen Zeiten in der Oberliga hielt der zweifache Familienvater dem Verein die Treue. „Ich war auch in den kleinsten Stadien bzw. auf den kleinsten Sportplätzen, als wir gegen Spandau oder Tasmania gespielt haben. In all den Jahrzehnten hat Roll viele Namen kommen und gehen sehen. "Aber ich habe nie so auf Namen geschaut, für mich zählt nur Hertha BSC", sagt der Berliner, der auch gegen Dortmund auf seinem angestammten Platz stehen wird.

Kurz vor der ersten Dauerkarte

Als André Roll Herthaner wurde, war Justin Bluschke noch gar nicht auf der Welt - 600 Pflichtspiele als Zuschauer auf dem Buckel hat der 17-Jährige demzufolge nicht zu bieten. Aber der angehende Abiturient arbeitet daran, diese Bilanz eines Tages aufzuweisen. "Für die nächste Saison kaufe ich mir eine Dauerkarte", sagt der Schüler, der in Spandau bei seiner Mutter wohnt. Doch trotz des noch jungen Alters hat auch Bluschke schon einige emotionale Momente mit den Blau-Weißen erlebt. "Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an das Aufstiegsspiel gegen Sandhausen 2013 denke. Auch das Spiel gegen Augsburg 2011 im vollen Stadion war der Wahnsinn", so der Heranwachsende.

Seine Premiere im Olympiastadion feierte Bluschke 2007 gegen Eintracht Frankfurt. "Mein Onkel hat mich damals mitgenommen. Für mich war es total cool, die Spieler live zu sehen. Ich kannte sie alle nur von den Sammelbildern", erinnert sich der junge Mann, der seitdem regelmäßig die Heimspielstätte der Blau-Weißen besuchte. Anders als Roll hat er noch so etwas wie ein Vorbild, das bei ihm in all den Jahren den größten Eindruck hinterlassen hat: Arne Friedrich. "Früher bin ich immer wieder zum Training gegangen und habe seine Spielweise beobachtet. Irgendwann hat er mich sogar wiedererkannt", erzählt der Herthaner, der in seiner Freizeit bei Blau-Weiss Spandau aktiv ist.  

(fw/City-Press)

Fans, 12.03.2019
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